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Moderiert von : admin
16 Mär 2004 19:58       Wie suche ich im Forum ?

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Autor
Niederohmige Messung Lebenswichtig - immer!

    

Skineffekt

Neu hier

Mitglied seit: 01 Mai 2005 16:46
Beiträge: 19
Wohnort: Rheinland

Online-Status:  
ID = 191737
 Erstellt am:  1 Mai 2005 18:09   ID = 191737

Nach

GAUhvhjvgh 191737 GAUqres
Hallo Kollegen und Laien,

über einen fast tödlichen Stromunfalles möchte ich hier berichten.

Der Fall:
Bei der Montage einer neuen Heizungstherme hatte ein Heizungsmonteur beim Füllen der Anlage einen fast tödlichen Stromschlag erlitten. Er sag zuckend am Boden, nicht ansprechbar usw, Notarzt, Intensivstation. Gott sei Dank konnte er nach 2 Tagen das Krankenhaus wieder verlassen, scheinbar ohne bleibende Schäden?!

Ich wurde zur Unfallstelle gerufen, habe erstmal die ganze Anlage stromlos geschaltet. Ein Beamter des Amts für Arbeitssicherheit legte fest, daß die Anlage durch einen vereidigten Sachverständigen überprüft und freigegeben werden müsse und vor seiner Freigabe nicht in Betrieb gehen dürfe. Ursache suchen!
Wir errichteten einen Baustromverteiler mit 30mA RCD um die Kühlgeräte des Restaurantes zu versorgen.
Mit dem Prüfer des TÜV zusammen suchte ich dann die Ursache.
Der Heizungsmonteur war in der Nähe der Therme beim Füllen verunglückt. Also erste Vermutung Wasserleitung stand unter Spannung, war es aber nicht. Die Wasserleitung war niederohmig zum PEN. Rückfragen ergaben das die Firma einen geerdeten Halogenscheinwerfer an der Baustelle verwendet hatte, dieser war aber nicht mehr da.
Die Schukosteckdose in diesem Raum war nach Prüfung mittels Dusspol ok, jedoch nicht bei Prüfung mit dem Ri/Rschl -Testgerät.
Was war passiert?!:
Für die neben dem Heizungsraum liegenden WC`s gab es eine Serienschaltung. Dafür hatten die Ausführenden damals in einer dreiadrigen Stegleitung die schwarze- und die rote Ader für die Beiden Schaltdrähte benutzt, grau als N. Hatte funktioniert und war nach den damaligen Regeln eventuell auch statthaft. Aber die rote Ader (Schaltdraht) war auch bis zum Heizungskeller durchgeschaltet, von wem auch immer und warum auch immer. Nun hat vor ca. 4-5 Jahren ein Ausführender eine Steckdose für einen Zigarrettenautomat installiert und angeschlossen, dabei hat er den Schutzkontakt der Steckdose an die rote Ader angeschlossen. Da die Beleuchtung im WC aus war, hatte er wohl Aussenleiter gegen rot 230V gemessen und fälschlicher weise angenommen es wäre der angeschlossene Schutleiter. In wirklichkeit hatte er jedoch über das Leuchtmittel gegen den N gemessen. Wurde die WC-Beleuchtung eingeschaltet stand der Schutzkontakt der Steckdose und damit auch das Gehäuse des Zigarettenautomaten unter vollen 230V Spannung.
"Zigaretten (ziehen) tödlich". Ein Wunder das die ganzen Jahre da nichts passiert ist. Nur der Heizungsmonteur hatte schlechter Karten, Bauscheinwerfer in diese Steckdose, Hand an Wasserkran zum füllen und um besser zu sehen gleichzeitig Bauscheinwerfer am Metallbügel angepackt.
Das möchte ich nicht erlebt haben.

Ich wollte dies weitergeben um die Wichtigkeit der vorgeschriebenen Messungen aufzuzeigen.
War mir vorher nicht so bewust.
Vieleicht haben Andere auch ähnliche Fehler kennen lernen müssen, aus denen man noch was lernen kann.

PS. Sorry für den langen Text, aber vieleicht interessiert es jemanden.

sam2

Moderator


Mitglied seit: 13 Mai 2004 19:44
Beiträge: 25427
Wohnort: Franken (bairisch besetzte Zone)

Online-Status:  
ID = 191753
 Erstellt am:  1 Mai 2005 18:57   ID = 191753

Nach

GAUhvhjvgh 191753 GAUqres
...und ich sach es noch...!
Man verlasse sich niemals auf die Farbkennzeichnung einer unbekannten Anlage.


Vielen Dank für die eindrückliche Schilderung.

Hoffentlich nehmen es sich die Leute zu Herzen, welche hier gerne mal lächeln, wenn ich darauf hinweise, daß man immer messen sollte. Und zwar nicht mit dem feuchten Finger, sondern mit dem Schutzmaßnahmenprüfgerät.
Und in solchen Fällen wie hier wäre auch das Besichtigen (Öffnen der zugehörigen Verteilerdose) hilfreich gewesen.

P.S:
Ich habs ob der Bedeutung mal oben hingenagelt.
Und natürlich - Willkommen im Forum!

[ Diese Nachricht wurde geändert von: sam2 am  1 Mai 2005 19:01 ]

Primus von Quack

Unser Primus :)
nehmt ihn nicht so ernst



Mitglied seit: 15 Nov 2004 21:37
Beiträge: 3033

Online-Status:  
ID = 191775
 Erstellt am:  1 Mai 2005 19:40   ID = 191775

Nach

GAUhvhjvgh 191775 GAUqres

Zitat :
.....das Gehäuse des Zigarettenautomaten unter vollen 230V Spannung.
"Zigaretten (ziehen) tödlich". .....


...auch eine Möglichkeit sich das Rauchen abzugewöhnen

...aber nicht nachmachen

...einen FI gabs da wohl nicht, wäre aber besser gewesen

...erst messen, dann machen

_________________
Haste keine Ahnung von dem Kasten,
lass die Finger von den Tasten !!!

didy

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 24 Okt 2004 00:35
Beiträge: 1563
Wohnort: nähe Ulm

Online-Status:  
ID = 191834
 Erstellt am:  1 Mai 2005 22:31   ID = 191834

Nach

GAUhvhjvgh 191834 GAUqres
Ich hab schon bei einem Mieterwechsel ne Steckdose gefunden, die an einen zweiadrigen Lampenanschluß angeschlossen war. Und zwar mit dem grüngelben auf L. Natürlich auch ohne FI.

Daß da nie was passiert ist, hat mich auch gewundert.

(Die zahlreichen Steckdosen dieser Wohnung, wo der Schutzleiter nicht angeschlossen waren, waren dagegen ja fast harmlos... (Nein, das meine ich nicht ernst))

Gruß
Didi

didy

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 24 Okt 2004 00:35
Beiträge: 1563
Wohnort: nähe Ulm

Online-Status:  
ID = 191940
 Erstellt am:  2 Mai 2005 12:49   ID = 191940

Nach

GAUhvhjvgh 191940 GAUqres
Okay etwas missverständlich formuliert.

Festinstallierte Steckdose, deren alte Zuleitung aus welchen Gründen auch immer abgeschnitten war. Neue Leitung mit wenigen cm NYM 3x1,5 von Lampenanschluß im Nachbarzimmer (direkt in der selben Wand).
Steckdose war farblich korrekt angeschlossen, am Lampenanschluß jedoch
sw -> sw (L)
bl -> gr (N)
gn-ge -> sw (L)

Übrigens: Die abgeschnittene alte Leitung kam von einer Steckdose, die die Heizungsbauer mit nem Heizkörper zugebaut haben . Hab dann natürlich diesen kompletten Zweig in der Abzweigdose stillgelegt.

Gruß
Didi

[ Diese Nachricht wurde geändert von: didy am  2 Mai 2005 12:54 ]




Topf_Gun

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 21 Nov 2004 14:13
Beiträge: 885

Online-Status:  
ID = 191960
 Erstellt am:  2 Mai 2005 14:06   ID = 191960

Nach

GAUhvhjvgh 191960 GAUqres
Immer wieder grausam:

Hamburger Schaltung, Leuche SK1 und klassische Nullung im Lampenauslass.

Kommt mir ungefähr 1 mal im Jahr unter....

Gruß Topf_Gun

swemers

Fach-Mann


Mitglied seit: 02 Aug 2004 22:12
Beiträge: 112

Online-Status:  
ID = 191992
 Erstellt am:  2 Mai 2005 16:36   ID = 191992

Nach

GAUhvhjvgh 191992 GAUqres
Hi,
@Skineffekt
wo hat sich dieser vorfall den abgspielt, und gibt es vielleicht Puplikationen (örtliche Presse, Fachpresse) dazu?

Skineffekt

Neu hier

Mitglied seit: 01 Mai 2005 16:46
Beiträge: 19
Wohnort: Rheinland

Online-Status:  
ID = 192006
 Erstellt am:  2 Mai 2005 18:30   ID = 192006

Nach

GAUhvhjvgh 192006 GAUqres
Hi swemers,

das war im Herbst 2004 in Bonn. Ob und in wie weit zB. die Berufsgenossenschaft solche Fälle sammelt, weitergibt und publiziert ist mir nicht bekannt.

Es ist wohl damals alles recht glimpflich abgelaufen, der Verursacher wurde soweit mir bekannt nicht gesucht oder nicht gefunden. In wie weit der Pächter oder Hauseigentümer als Verantwortlicher für die Elektroinstallation zu Zahlungen herangezogen wurde weiß ich auch nicht.
Klar, die Elektroanlage wurde komplett überprüft und zusätzlich einige sonstige Mängel beseitigt, die aber alle nichts mit dem Unfall zu tuen hatten.
Hätte der Heizungsmonteur den Unfall nicht überlebt wäre die Sache für die übrigen Beteiligten sicher auch anders ausgegangen.

Ich war früher der Meinung: Nach einem Neubau oder Umbau ist eine entsprechende Messung und Protokollierung erforderlich, aber eine nachinstallierte Steckdose kann man auch schon mal nur mit dem Dusspol prüfen. Das ist jetzt anders.
OK, ich hätte wohl genauer geprüft ob der Rote auch der Schutzleiter ist, vieleicht mit dem Ohmmeter gegen PE und N, wenn ich kein Schutzmaßnahmen-Meßgerät da gehabt hätte.
Aber es hätte mir vieleicht auch passieren können.

Zum Beispiel wenn der "Rote" nicht, wie in diesem Fall unbenutzt in der Dose gelegen hätte, sondern schon für andere Steckdosen als Schutzleiter benutzt gewesen wäre. Sprich einer vor mir hätte den Fehler schon gemacht. Dann hätte ich auch dort angeschlossen und mit dem Dusspol abschließend geprüft -- alles ok -- denkste!



Wie auch immer und allen bekannt: Als Elektriker hat man einen verantwortungsvollen Job und man steht immer mit einem Bein im Gefängnis.

swemers

Fach-Mann


Mitglied seit: 02 Aug 2004 22:12
Beiträge: 112

Online-Status:  
ID = 192078
 Erstellt am:  2 Mai 2005 21:43   ID = 192078

Nach

GAUhvhjvgh 192078 GAUqres
Hi,

Zitat :
Nach einem Neubau oder Umbau ist eine entsprechende Messung und Protokollierung erforderlich, aber eine nachinstallierte Steckdose kann man auch schon mal nur mit dem Dusspol prüfen. Das ist jetzt anders.



diese Einstellung ist weit verbreitet, und ich muss zugeben das ich auch schon mal die eine oder andere Steckdose ohne Prüfung angschlossen habe. Was ich aber viel erschreckender finde ist das was ich jetzt von einem bekannten der gerade seine Ausbildung als Elektroinstallateur nachholt gehört habe. In seiner Klasse (3. Lehrjahr) habe 3 (von ca. 20) Leute jemals ein Schutzmassnahmenprüfgerät benutzt. In fast der Hälfte der Betriebe werden solche Prüfungen überhaupt nicht regelmässig durchgeführt.

sam2

Moderator


Mitglied seit: 13 Mai 2004 19:44
Beiträge: 25427
Wohnort: Franken (bairisch besetzte Zone)

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ID = 192102
 Erstellt am:  2 Mai 2005 22:40   ID = 192102

Nach

GAUhvhjvgh 192102 GAUqres
swemers schrieb
Zitat :
In fast der Hälfte der Betriebe werden solche Prüfungen überhaupt nicht regelmässig durchgeführt.


Meine Rede seit 1875...
Es ist nur noch traurig!

high_speed

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 10 Mär 2005 01:51
Beiträge: 1732

Online-Status:  
ID = 192148
 Erstellt am:  3 Mai 2005  4:01   ID = 192148

Nach

GAUhvhjvgh 192148 GAUqres
Und das sagt das StGB dazu:


Zitat :

StGB § 222 Fahrlässige Tötung
Wer durch Fahrlässigkeit den Tod eines Menschen verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

StGB § 229 Fahrlässige Körperverletzung
Wer durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung einer anderen Person verursacht, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.



Quelle: http://bundesrecht.juris.de/bundesrecht/

Lieber auf Nummer sicher gehen und messen.

Wenn man das Leben eines Menschen auf dem Gewissen hat, lässt es sich bestimmt nicht mehr gut schlafen.

Wer beauftragt denn noch einen Vorbestraften?

Holger

Eltako

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 28 Jul 2004 21:56
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ID = 192229
 Erstellt am:  3 Mai 2005 13:55   ID = 192229

Nach

GAUhvhjvgh 192229 GAUqres
Woher soll man wissen ob er denn vorbestraft ist?
In der Zeitung steht meist auch nur "Elektriker Harald B. usw."

_________________
In dubio pro reo

alpha-ranger

Redet auch im Schlaf


Mitglied seit: 01 Nov 2003 20:15
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ID = 192361
 Erstellt am:  3 Mai 2005 20:45   ID = 192361

Nach

GAUhvhjvgh 192361 GAUqres
Hallo,
an diesem Fall kann man sehen, das ein Schutzleiter selbst zur Gefahr werden kann.

Selbst gesehen habe ich einen solchen Verstoß gegen alle Tugenden bei einem Gastronom, der die el. Anlage seiner Küche Stück um Stück selbst erweitert hatte. Da wurde dann der Schutzleiter auf Phase geklemmt. Mehrere Geräte standen dadurch ständig unter "Dampf".
Diese Geräte standen zum Glück auf der abgewandten Seite des Raumes zur Spüle.

Das fünfköpfige Personal, das an diesem Massenversuch teilnahm, bekam beim Berühren auch hin und wieder einen gekribbelt.

Das ging jahrelang so, bis sich eine Verteilerdose durch überbelastung ( 25 A an 1,5 mm² ) geruchlich bemerkbar machte. Ein Blick, und der Seitenschneider hat dem Treiben sofort ein Ende gesetzt.

Leider passiert diesen engagierten Hobbybastlern meist nichts dabei, immer nur Anderen, die in diese Fallen tappen.

Vor dreißig Jahren liefen bei uns noch Leute vom EVU rum, und haben in den Haushalten die Anlagen geprüft. Jede Steckdose einzeln.
mfG.

sam2

Moderator


Mitglied seit: 13 Mai 2004 19:44
Beiträge: 25427
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ID = 192430
 Erstellt am:  3 Mai 2005 23:33   ID = 192430

Nach

GAUhvhjvgh 192430 GAUqres
Vermutlich nicht eigentlich geprüft, sondern mehr gezählt!

Denn damals bemaß sich die Grundgebühr oftmals noch nach Zahl der Räume, "Brennstellen" und Steckdosen...
Daß dabei auch (zumindest gröbere) technische Schnitzer auffielen, war mehr ein positiver Nebeneffekt.

Allerdings nahm man es damals generell noch etwas genauer. Da ging des EVU den Mängelmeldungen z.B. eines eingetragenen Installateurs noch nach und setzte ggf. den reparaturunwilligen Kunden unter Druck. Sowas ist heute ne ziemliche Seltenheit. Und das liegt nicht etwa daran, daß die Anlagen in besserem Zustand wären...

Satman

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ID = 192944
 Erstellt am:  5 Mai 2005 22:51   ID = 192944

Nach

GAUhvhjvgh 192944 GAUqres
@sam,
wenn man einen Zähler setzen lassen wollte und in der Anlage war etwas nicht in Ordnung, dann sind die einfach wieder gegangen mit dem Zähler. Heute juckt es die vom EVU doch nicht mehr, wie es nach dem Zähler ausschaut.


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